Dr. Manfred Lütz

Bekennender Katholik und Rheinländer

Er leitet als Chefarzt eine Kölner Klinik: Dr. Manfred Lütz
Die hellen Augen blitzen schelmisch und als Manfred Lütz von seinem Stuhl zur Begrüßung aufsteht, fühlt man sich ganz schnell sehr klein: Der bekennende Katholik und Rheinländer ist nämlich eine richtige Kante und mit 1.90 Meter durchaus als groß zu bezeichnen. Als leitender Chefarzt einer psychiatrischen Kölner Klinik erlebt er in seinem Berufsalltag immer wieder Ausnahmesituationen. Wie er es schafft, dabei seinen Humor nie zu verlieren- das hat offenbar mit dem lieben Gott zu tun!

In Bonn kommt der bekennende Katholik und Rheinländer am 18. März 1954 als Sohn eines Juristen und einer Apothekerin zur Welt. Mit zwei jüngeren Schwestern wächst er in einem katholischen Zuhause auf, inklusive sonntäglichen Messbesuchs und Tätigkeit als Messdiener. Die katholische Erziehung war nicht streng, betont Lütz, vielmehr lebensfreudig. Rheinisch-katholisch eben.

Als Guide lernt man fürs Leben

Als Junge ist ihm schon früh klar, keinesfalls in die juristischen Fußstapfen seines Vaters treten zu wollen, denn Juristen scheinen immer nur zu wissen, was verboten ist, das ist langweilig. Manfred studiert also zunächst Medizin – und nimmt noch die beiden Fächer Philosophie und Theologie hinzu: „Das Medizinstudium allein war mir zu langweilig. Laborwerte auswendig lernen immerzu…“ Sein philosophischer Schwerpunkt ist Kant.

In den Semesterferien jobbt er als Reiseleiter in Rom, der Heiligen Stadt,  und lernt fürs Leben: „Da lernen Sie mehr Psychologie als im ganzen Psychotherapiestudium, etwa  wenn die Leute Hunger haben, es 14 Uhr ist und weit und breit kein Restaurant, da müssen Sie Gruppentherapie können.“ Nach seinem Medizinabschluss schreibt er in Rom seine Diplomarbeit in Theologie, gleichzeitig promoviert er in Medizin. Er gründet die integrative Behindertengruppe „Brücke-Krücke“ in Bonn, an der sein Herz immer noch hängt. Die Gruppe umfasst derzeit über 200 Behinderte und Nichtbehinderte.

Katholische Kirche auf der Couch

Zurück in Deutschland startet er 1982 in der Psychiatrie des Marienhospitals Euskirchen als Assistenzarzt, danach kommt der Facharzt für Nervenheilkunde, später für Psychiatrie und Psychotherapie. Schon 1989 wird er Chefarzt in Euskirchen, an einer Suchtklinik für Männer, gleichzeitig bleibt er Oberarzt in der Psychiatrie. Seit 1997 ist er Chefarzt des Alexianer-Krankenhauses in Köln-Porz. Lütz ist Vertreter eines lösungsorientierten Therapieansatzes, heißt: bei einem Alkoholiker bspw. fragt man nicht immer nur danach wie es zum Rückfall kam, sondern vor allem wie er es geschafft hat, diesen zu stoppen.

Als spätberufener Ehemann ist Lütz seit 1995 mit Isabelle verheiratet, einer „Journalistin, die mich streng redigiert. Das geht nur gut, weil wir eine stabile Ehe führen…“. Das Paar hat zwei Töchter.

Vortragsredner in  der Klinikküche

Der Doktor hat eine Meinung, ist umtriebig, verfasst Artikel in überregionalen Zeitungen, engagiert sich auch für katholische Belange. Lütz ist Mitglied im „Päpstlichen Rat für die Laien“ und in der „Päpstlichen Akademie für das Leben“. Und er schreibt Bücher, darunter Bestseller, wie „Der blockierte Riese“ (1999). Da legte er quasi die katholische Kirche auf die Couch. Humorig kritisierte er in „Lebenslust – Wider die Diätsadisten, den Gesundheitswahn und den Fitness-Kult“ (2002) das menschliche Streben nach Gesundheit auf Kosten des Genusses. In „Irre! Wir behandeln die Falschen, unser Problem sind die Normalen. Eine heitere Seelenkunde“ (2009) erklärt er anschaulich die diversen psychiatrischen Krankheiten und macht sich zum liebevollen Anwalt der psychisch Kranken.

Jürgen Becker entdeckt ihn 2007 für die WDR Mitternachtsspitzen, seither findet man den Doktor auch öfters auf diversen Bühnen.  Er weiß um seine Unterhaltsamkeit, hält Vorträge, besucht Talkshows. Er referiert auch schon mal vor dem gesamten Küchenpersonal in seiner Klinik, um dort Köche und Spülkräfte auf seine ihm ganz eigene Art und Weise über psychische Erkrankungen zu informieren. Er wollte ihnen die Angst vor den Patienten nehmen. Das gelang vortrefflich: Alles lachte, aber man verstand auch viel von den liebenswürdigen Menschen, mit denen man Tag für Tag zu tun hatte!

Nachdenkliche Töne: Sinn erfahren im Leid

Nun legt der humorvolle Rheinländer mit seinem jüngst erschienenen Buch: „Solange wir leben, müssen wir uns entscheiden – Leben nach Auschwitz“ das berührende Vermächtnis des Kunstprofessors Jehuda Bacon vor. Dieses Buch bringt die Weisheit eines Menschen zur Sprache, der Entsetzliches erlebt hat, aber darunter nicht zerbrochen ist. „Seit ich Jehuda Bacon begegnet bin, lebe ich anders“, beschreibt Lütz sein 14-Stunden langes Interview mit dem Auschwitzüberlebenden, „mein Leben ist ein bisschen heller geworden. Nicht dass ich mich nicht mehr über mich oder andere ärgere. Aber ich muss manchmal über all den alltäglichen Kleinkram lachen, der einen gefangen nimmt. Und dann geht es mir besser.“